11 Frauenstimmen zum 8. März

Yuri, Lehrerin aus David, Panama

Yuri unterrichtet an einer Landwirtschaftsschule. In der Freizeit engagiert sie sich in unterschiedlichen Netzwerken für Gendergerechtigkeit.

Erst seit 2014 erlauben Panamas Schulen Sexualaufklärung. Dagegen zieht die Partido Patriótico der neuen Rechten auf die Straße. Sie mobilisiert im Wahlkampfjahr 2019 zudem gegen die Gleichstellung der Ehe. Der versuchte Stimmenfang bedroht die Demokratie und Menschenrechte…
Die Menschen zu sensibilisieren ist wichtig, Partizipation ist entscheidend, mitmachen zu können. Gerade sind die Frauen in weiße Laken gehüllt gegen Feminizide auf die Straße gegangen.“

Marcela, Hausangestellte aus Oaxaca, Mexiko

Marcela versorgt tagsüber eine Demenzkranke, abends zuhause ihre Söhne und die schwerstbeeinträchtige Enkelin.

Ich bin nur 6 Jahre zur Grundschule gegangen und hoffe, dass meine Kinder es besser haben. Mein Mann arbeitet in einer Schlachtfabrik. Zu Hause macht er nichts und lässt mich mit der Kindererziehung allein. Dies ist eben Machismo in Mexiko.“

 

Jessica, Angestellte aus Puerto Viejo, Costa Rica

Jessica arbeitet von 8:00 Uhr bis 14:00 Uhr im Reisebüro und von 16:00 Uhr bis 22:00 Uhr im Einzelhandel. Zwischendurch versorgt sie ihre Kinder.

„Mir macht die Arbeit im Reisebüro Freude, weil mein Chef mir Freiheiten lässt. Außerdem: Aqui en el Caribe manda la mujer, die Frau bestimmt. Auch von nervigen Kunden lasse ich mir nichts gefallen. Seit meinem 5. Lebensjahr muss ich arbeiten, weil ich aus einer sehr armen Familie stamme…Die gute Erziehung meiner Söhne ist mir das Wichtigste. Sie sollen nicht in das Drogenmilieu abdriften. Zum Glück unterstützt mich mein Lebenspartner, der als Taxifahrer arbeitet. Das Leben ist so teuer, da komme ich mit einem Stundenlohn von 2.000 Colones (ca. 3,30$) nicht weit…Meine junge sehr hübsche Kollegin im Laden wird häufiger gefragt, wieviel sie für eine Nacht kostet, einfach widerlich.“

Paz, Psychologiestudentin aus Mexiko-Stadt

48-jährig setzt Paz ihr Studium der klinischen Psychologie fort, das sie vor 12 Jahren wegen der Kinder unterbrach. Sie hofft, sich als Therapeutin niederzulassen.

„Hier gibt es so viel häusliche Gewalt gegenüber Frauen und Kindern, mir liegt eine gewltfreie Kommunikation sehr am Herzen.“

 

Dona Givis, Hotelierin aus Cartagena, Kolumbien

Als selbstständige Unternehmerin eröffnete Dona Givis ein Hotel im Stadtteil Getsemani.

„Dem Ausverkauf unseres historischen Erbes wollte ich bewusst etwas entgegensetzen. Ich habe das Haus 2008 in schlechtem Zustand erworben und nach und nach zum Hotel umgebaut. Hier arbeiten nur Mitarbeiter_innen mit festen Verträgen, die aus meinem familiären Umfeld kommen oder aus Cartagena sind. Die Galerie im Foyer des Hotels ermöglicht lokalen Künstler_innen, sich zu präsentieren.
Freiwillig sind wir der Initiative lokaler Hoteliers beigetreten, die sich verpflichtet, Prostitution nicht zuzulassen. In der Stadt sind leider Touristen unterwegs, die Sex mit Minderjährigen suchen.“

Faustina, Kakaobäuerin aus Shiroles, Costa Rica

Faustina ist Präsidentin einer Frauenkooperative und als Angehörige der BriBri in der Mythologie verwurzelt.

„El Cacao es feminino, der Kakao ist weiblich. Nosotras, wir Frauen geben das Leben. Der Name der Frau wird an die Nachfahren vererbt, die Frauen besitzen die Landtitel. Das patriarchalische Erbe der spanischen Eroberung brauchen wir nicht. Für uns sind Männer und Frauen gleich. Macht über andere auszuüben, gehört nicht in unsere Kultur, wir Frauen pflegen den Respekt.“

Rebecca, Tänzerin aus Mexiko-Stadt

Rebecca hat soeben ihr Studium als Tänzerin erfolgreich beendet. Sie genießt das Leben in der Großstadt.

„Ein Macho als Partner kommt für mich nicht in Frage.“

 

 

Psychologinnen aus Mendoza, Argentinien

Die Kinder- und Jugendpsychologinnen leisten Präventionsarbeit und Traumabewältigung.

„Die Zahl der Frauenmorde hat in Argentinien 2018 zugenommen, vielleicht weil der Tatbestand endlich indiziert wird.“

 

Yolanda, Hebamme aus Oaxaca, Mexiko

Yolanda ist Zapotekin. Sie hat ihr Wissen und ihr Handwerk von ihren Großmüttern erlernt. Yolanda begleitet Frauen bei Hausgeburten sowie in Krankenhäusern, falls Gynäkologen dies zulassen. Sie appelliert:

„Lebt eure Bräuche, vergesst nicht eure Geschichte inmitten der schwierigen Zeiten des Neoliberalismus.“

 

Lidia, Tagesmutter aus BriBri, Costa Rica

Lidia betreut tagsüber Kinder in einem Haushalt.


„Ich bin Landbesitzerin, da in unserer Kultur die Parzellen den Frauen vermacht werden. Meine Eltern leben ganz in der Nähe. Jede BriBri-Familie verfügt über ein kleines Stück Land. Es darf grundsätzlich nur an Indigene verkauft werden. So bleiben wir zusammen, um unsere Kultur zu pflegen…
Hier gibt es viele junge Mütter. Obwohl die jungen Frauen kostenfreien Zugang zu Verhütungsmitteln wie z. B. der Dreimonatsspritze haben, macht sich die Jugend keine Gedanken. Gesetzlich sind die Väter später zu Unterhaltungszahlungen verpflichtet.“

Geraldine, Modedesignerin und Filmschaffende aus Minca, Kolumbien

Geraldine hat soeben ein betriebswirtschaftliches Fernstudium aufgenommen, um gemeinsam mit ihrem Lebenspartner ein Hostal zu betreiben.

„Eine gute Ausbildung und finanzielle Eigenständigkeit, das brauchen die Frauen in Kolumbien, um sich zu emanzipieren. Die Religion nimmt so viel Einfluss. Frauen sollen ihr Leben den Kindern opfern. Oft bekommen die Frauen früh schon Kinder. Damit endet die Berufstätigkeit. Sie bleiben zuhause. Wichtig wäre eine gute Sexualaufklärung. Davon habe ich in der Schule nichts mitbekommen. Unsere Gesellschaft ist leider noch immer sehr wertkonservativ… Frauen, die eine Fehlgeburt haben, droht Gefängnis. Man unterstellt ihnen, sie hätten einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen. Der steht unter Strafe.
Ich werde ständig gefragt, warum ich nicht verheiratet bin, warum ich keine Kinder habe, auch von meiner Familie. So, als ob man ohne Kinder keine richtige Frau sei. Ich möchte einen anderen Lebensentwurf wagen. Und Spuren hinterlassen…Manche feministischen Frauengruppen in Kolumbien sind sehr extrem. Mir geht es darum, die gleichen Rechte zu haben wie die Männer. Mich macht es wütend, wenn Frauen sich weiterhin den Männern unterordnen und nicht für ihre Rechte einstehen.

 

Autor: blauemurmel

Elisabeth Henn & Ebi Wolf 55294 Bodenheim

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