Taka Taka Müll-Safari

27. April 2019– der letzte Tag in Ostafrika.  Kwaheri Kenia- heute Nacht soll uns ein Jumbo weitertragen. Noch stehen wir knietief im Müll, tief beeindruckt von der Initiative eines jungen Philosophen. Philip Paffenholz gründete 2011 das Sozialunternehmen Taka Taka Solution Ltd, um den Kampf mit Nairobis drängendem Umweltproblem aufzunehmen.

Wie baut man eine städtische Müllentsorgung auf ohne die Stadt?“, formuliert der Unternehmer zugespitzt die Herausforderung. Bislang mangele es an kommunalen Konzepten für die Abfallwirtschaft in der 4 Millionen Stadt. Im Großraum Nairobi fallen geschätzt 4000 t Müll täglich an, der auf Swahili Taka Taka heißt.

Seit China Ende 2017 die Entsorgung des Mülls aus anderen Ländern stoppte, ist weltweit eine rege Debatte über das zum Himmel stinkende Thema entbrannt. Auch in Kenias Presse wird öffentlich diskutiert: Warum schafft es das Land bislang nur, 5% des anfallenden Mülls fachgerecht zu entsorgen? Hat das konsequente Verbot von Plastiktüten seit 2018 lediglich Symbolfunktion?

75 Mitarbeiter_innen sind zurzeit bei Taka Taka Solution beschäftigt. Im Rahmen einer 48 Stunden Woche wird der angelieferte Müll per Hand sortiert. 1 bis 2 Monate dauert die Einarbeitung der Mitarbeiter_innen, die nach 40 Kategorien trennen.

Phillip räumt, ein, dass die händische Vorsortierung schmutzbelastet, zeitaufwendig und fehleranfällig ist. Er zeigt uns ein erstes Sortierband, das in der kommenden Woche in Betrieb genommen werden soll. „Maschinen bestelle ich häufig in China, sie kosten in Deutschland ein Vielfaches mehr. Zudem ließen mich die Behörden acht Monate auf einen Stromanschluss warten, zuvor hätte ich die Sortieranlage nicht anschließen können.“

Während der Betriebsführung absolviert die blaue Murmel einen Crashkurs zum Müllgeschäft. „In Nairobi wird nur etwa 50 % des Mülls abgeholt. Die ausschließlich privaten Unternehmen fahren Wohnviertel der Mittel- und Oberschicht an. In Nairobi gibt es keine Mülldeponien, sondern ausschließlich Müllhalden nahe den Armenvierteln an der Peripherie. Die Stadt wächst rasant, die Transportwege verlängern sich. Umweltbewusstsein fehlt. Oft wissen die Menschen sich nicht anders zu helfen. Sie verbrennen oder verbuddeln ihren Abfall.

Phillip weiß, dass Taka Taka Solution mittelfristig effektiver Müll entsorgen und weiterverarbeiten muss, um gravierende Umweltschäden zu minimieren und betriebswirtschaftlich zu bestehen. Eine Recyclinganlage für Kunststoff wird in Kürze installiert.

Schon jetzt kaufen wir Abfall an städtischen Müllhalden auf. Mit einigen Hotels und öffentlichen Behörden schlossen wir bereits Verträge, damit sie den Müll vor der Abholung trennen. Der organische Müll beträgt um 65 Prozent in Kenia. Das erschwert das Recycling aufgrund der hohen Verschmutzung.

Hinter der Fabrikhalle wird Kompost gelagert, ein Endprodukt aus dem organischen Abfall. Der Verkauf der hochwertigen Erde erwies sich bislang als schwierig. „Viele Kleinbauern glaubten, es handele sich um Dünger. Sie hatten überzogene Erwartungen. Jetzt bewerben wir unser Produkt in größeren landwirtschaftlichen Betrieben.

Neben dem Kompost produziert Taka Taka Solution mittlerweile Bau- und Dämmstoffe, indem Leichtplastik, Styropor, Tetrapak und Textilien gepresst werden. Altglas wird zu Sand zerrieben.

Aktuell diskutiert das Parlament ein Kreislaufwirtschaftsgesetz. Die Befürchtung: Trotz vieler fortschrittlicher Gesetze im demokratischen Land Kenia verhindert die Korruption deren konsequente Umsetzung. Dabei stinkt das Thema Müll aufgrund der Massen, die anfallen und nicht entsorgt werden, zu sehr zum Himmel, als dass es weiter unter den Teppich bzw. unter der Erde entsorgt werden könnte.

Weiterlesen?

https://www.myclimate.org/de/informieren/klimaschutzprojekte/detail-klimaschutzprojekte/kenya-abfallmanagement-7190-1/
(aufgerufen am 04.05.2019)

Was das Plastiktütenverbot in Kenia bewiirkt, Tagesschau 28.05.2018
https://www.tagesschau.de/ausland/kenia-muell-101.html
(aufgerufen am 04.04.2019)

Der Müll in Kenias Slum Kibera soll weg tagesschau 05.06.2018
https://www.tagesschau.de/ausland/umwelt-muell-kenia-101.html (aufgerufen am 04.05.2019)

http://takatakasolutions.com/ (aufgerufen am 05.05.2019)

https://www.siemens-stiftung.org/de/projekte/takataka-solutions/ (aufgerufen am 04.05.2019)

Autor: blauemurmel

Elisabeth Henn & Ebi Wolf 55294 Bodenheim

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