Kunst auf dem roten Hügel

Schon gehört? Oder gar gesehen und nachgespürt? Abushariaa Ahmed, Annabelle Wanjiku, Justus Kyalo, E.S. Tingatinga, Stephen Kasumba, Souad Abdelrasoul?
Zahlreiche zeitgenössische Künstler_innen haben seit 10 Jahren Gelegenheit, in der Red Hill Art Gallery am Stadtrand Nairobis ihre Werke auszustellen und zu verkaufen.

http://www.redhillartgallery.com/

Die Gemälde und Skulpturen stammen von renommierten wie noch unbekannten talentierten Maler- und Bildhauer_innen, die gefördert werden. Viermal jährlich findet eine Vernissage statt. Eingeladen sind Kulturschaffende, die regional verwurzelt sind und ihren Lebensmittelpunkt z. B. in Ägypten, Sudan, Zimbabwe, Tansania und oder Kenia haben.

Immer wieder fasziniert die Universalität in den bildenden Künsten, die Vergleichbarkeit der Motive, Stile und Themen. Feststellbar ist, dass afrikanische Künstler_innen ohne jedwede Berührung mit europäischen Kunstrichtungen ähnliche Werke hervorbringen, aus eigner Intuition heraus“, urteilt Hellmuth Rössler, der seit mehr als 3 Dekaden intensive Kontakte zur Kunstszene auf dem afrikanischen Kontinent unterhält. Gemeinsam mit seiner Partnerin Erica Musch wurde die Galerie als Non-Profit- Betrieb gegründet. Die Einnahmen werden zur Kulturförderung reinvestiert.

Das Gespür für Talente beeindruckt. Während inspirierender Führungen entdecken Besuchende die Entwicklungen und Sehnsüchte der Künstler_innen, geduldig unterstützt durch Erläuterungen des kunstverständigen Galeristentandems.


Ein Winkelbungalow im weitläufigen Gartengelände lädt Kunstbeflissene ein. In der Ferne bleibt die Skyline Nairobis erkennbar. Kecke Webervögel nutzen die Gebrauchskunst im Areal als Vogeltränke. Die Red Hill Art Gallery entwickelte sich zu einem sozialen und kulturellen Begegnungsort auf dem Land.

Ostersonntag 2019. Souad Abdelrasoul, eine Malerin aus Kairo klopft an. Ob sie demnächst ihre Bilder unter dem Leitmotiv Virtual Garden präsentieren könne? Souad wird begleitet von ihrem Mann Salah Elmur  und einem Freund. Beide sind gleichfalls Maler mit Wurzeln in Sudan. Zwischen farbenfrohen Bildern debattitert die morgendliche Runde aufgeregt über den arabischen Frühling, der auferstanden scheint.

Mitte April  wurde nach 30 Jahren Militärherrschaft der Diktator Bashar  gestürzt. Eine starke und vor allem die weibliche Zivilgesellschaft demonstriert in  Sudan auf den Straßen.
Fernsehjournalisten und Youtube- Berichte dokumentieren die hohe Beteiligung der Frauen. Die Ägypterin schüttelt eher skeptisch den Kopf, während die Sudaner vom  Demokratisierungsprozess hoffnungsfroh schwärmen. Die blaue Murmel verfolgt die Debatte mit Staunen und will sich unbedingt näher mit dem Land  befassen. Dazwischen bleibt Raum, die Gemälde zu betrachten. „Frida Kairo“- unser Wortspiel freut Souad.

Tags darauf tummeln sich plötzlich 25 Kinder im Garten der Galerie.

Maler Simon Murithi bietet Kindern aus den Slums zweimal wöchentlich Kunstunterricht an, der an staatlichen Schulen fehlt. Talente entwickeln, das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken, Auswege aus der Armut aufzuzeigen hat sich u.a. die Nichtregierungsorganisation  G-Thamini zum Ziel gesetzt, die künstlerische und sportliche Angebote finanziert. Zum gewiss für die Kinder nicht alltäglichen Besuch in einer Kunstgalerie brachten sie Neugierde mit- und auch erste eigene Werke, die im Ferienworkshop erarbeitet wurden und von den Kindern zunächst etwas schüchtern, zunehmend selbstbewusster kommentiert werden. Ihre Wunschberufe: Fußballprofi, Architekt und Maler.

Simon, he is a good teacher. He has a lot of patience and he likes kids“, sagt ein Junge.
Bleiben die Kinder sich selbst überlassen, geraten sie schnell in den Strudel. Der Konsum von Marihuana und Alkohol ist verbreitet ebenso wie kriminelles Bandentum“, flüstern uns die  pädagogische Betreuer Noor und Francis im Nebengespräch zu.

Die Red Hill Galerie genießt sichtlich den Besuch der jungen Träumer_innen. „Culture is a basic need“, – eine Grundphilosophie von Hellmuth und Erica, die eben nicht nur betuchte Käufer_innen, Kunstkritiker_innen, Journalist_innen und viele beeindruckende Künstler_innen des Kontinents empfangen.

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Autor: blauemurmel

Elisabeth Henn & Ebi Wolf 55294 Bodenheim

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