Spaziergang mit Don Alfonso

Durch Campeche und das Wirrwarr alter und neuer Geschichte führt uns der Theologe und Prozessbegleiter Alfons Vietmeier, der seit 35 Jahren im Land lebt und arbeitet, verheiratet mit einer mexikanischen Anthropologin.

Schon in Deutschland lasen wir sein äußerst lesenswertes Buch „Mexiko tiefer verstehen. Erfahrungen aus Lateinamerika. Impulse für Deutschland. Münster 2013 (dialogverlag)“ und überlasen wohl einen Passus. Sonst wären wir nicht so überrascht worden, mitten in den neoliberalen Verwerfungen, im tobenden Drogenkrieg folgendes bestätigt zu finden:
„Überall blüht ein herzliches und erfreuliches Miteinander…Der gute Eindruck bleibt…nach Wochen und selbst nach Jahren bestehen. Wider alle schlimmen Berichte und Umstände: Die große Mehrheit der Mexikaner ist zufrieden mit dem Leben“ (S. 44).

Alfons zeigt uns die hervorragend restaurierte koloniale Altstadt Campeches, seit 1999 ein UNESCO-Weltkulturerbe. Im Schnelldurchgang spannt er für uns den Bogen von der präkolonialen Geschichte über die spanische Eroberung hin zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen.

Menschen drängen sich mit Blumensträußen in der Hand rund um einen Kirchplatz. Ganz Mexiko feiert am Vorabend des 12. Dezember den Tag der Jungfrau von Guadeloupe- „die Mutter aller Mexikaner_innen, Symbol der langsam wachsenden nationalen Identität“ laut Alfonso im ach so fragmentierten Mexiko.

Abschließend lädt Alfons zum Besuch der Mayaruinen von Edzna ein, ca. 60 km außerhalb von Campeche gelegen.
Während der Fahrt über die holprige Carretera diskutieren wir über Gott und die Welt, soziologische Beobachtungen im digitalen Zeitalter. Die sich abzeichnende Epochenwende verlange, dass Menschen sich vernetzten, aber auch zugleich wieder verwurzeln. Das Auto fliegt an den ehemaligen Haziendas vorbei. „Das grüne Gold“ des Henequen, eine Art Sisalpflanze und die Kaugummiproduktion verhalfen um die Jahrhundertwende Plantagenbesitzern in Campeche zum Reichtum.

Die Ruinenstadt Edzna mit der fünfstöckigen Akropolis strahlt eine besondere Aura aus. Im Gespräch mit den Museumsangestellten holt uns die Gegenwart ein. Die kulturhistorische wird um eine ökologische Führung ergänzt.

David erzählt uns, dass – trotz aller staatlichen Schutzprogramme – die Entwaldung Yucatans v.a. durch agroindustrielle Projekte, die Palmölproduktion und Zitrusfrüchte weiterhin voranschreitet. Auf einigen Farmen werden trotz offiziellen Verbots, Experimente mit gentechnikveränderten Soja- und Maissorten unternommen.

Elvis beschreibt das dramatische Insekten- und Artensterben durch den Pestizideinsatz. Besonders die Bienenvölker litten bei der Suche nach Nahrung. Entsprechend sei die Produktion von Honig für den Export, u.a. nach Deutschland stark zurückgegangen.

Omar, der aus dem erdölreichen Tabasco stammt, ist wütend über hinterlassene Umweltschäden wie z. B. die Vergiftung der Böden. Ölrückstände fließen in den Boden, da Erdöl illegal angezapft wird. Er kenne Gemeinden, in denen Kinder vermehrt an Blutkrebs erkrankten. Das Problem schweige man tot.

Adiós Don Alfonso, wir genießen den seelenverwandten Blick auf Mexiko. Kaum sind wir im Hostal zurück, dampft unser Smartphone. Alfons sandte uns flugs interessante Zeitungsartikel zu.  Muchas Gracias!

Autor: blauemurmel

Elisabeth Henn & Ebi Wolf 55294 Bodenheim

Ein Gedanke zu „Spaziergang mit Don Alfonso“

  1. Hallo Ihr Beiden,
    wie schön, wieder von euch zu lesen! Hier ist die Weihnachtshektik fast auf dem Höhepunkt, von der Innenstadt halte ich mich möglichst fern. Das Wetter entspricht eigentlich dem Monat November, aber pünktlich zu Weihnachten werden wir wieder frühlingshafte Temperaturen bekommen. Bei euch ist es sonnig und heiß…
    Seid ihr denn jetzt schon in Costa Rica? Bin sehr gespannt auf weitere Berichte von euch!
    Beste Grüße
    Christel

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